Himmelschwarz

Welle auf Welle

Welle auf Welle,
Erinnerung auf Erinnerung,
Gedanke auf Gedanke,
Gefühl auf Gefühl.

Welle auf Welle,
aufbrausend,
tobend,
berauschend.

Welle auf Welle,
starrer Blick,
sinkender Boden,
tosende Gischt.

Welle auf Welle,
braust hernieder,
hüllt ein,
raubt den Atem.

Welle auf Welle,
zitternder Körper,
salzige Schlieren,
mitten im Sog.

Welle auf Welle,
bricht,
strandet,
zerrinnt.

Ein Umzugskarton voller Selbstbestimmung

Es ist Samstag Abend. Ich liege mit meinem MBP im Bett, neben mir einer der beiden Kater, der leise vor sich dahin schnurrt. Durch das gekippte Fenster höre ich leise den Regen plätschern.
Gemütlich könnte man meinen. Wäre es vermutlich auch, hätte ich mich für diese Abendgestaltung entschieden und wäre sie mir nicht krankheitsbedingt aufgezwungen geworden. Umso mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass das Problem nicht in erster Linie an der unerfreulichen Tatsache, krank zu sein liegt, die ja jedem widerstrebt, sondern ihren Ursprung woanders hat. Mir missfällt es, nicht selbst entschieden zu können, was ich tue. Ich möchte nicht von einer Magen-Darm-Entzündung vorgegeben bekommen, tagelang fast ausschließlich nur zu schlafen, das Umzugschaos in meiner Wohnung nicht minimieren und nicht nach draußen gehen zu können.
Das angesprochene Umzugschaos bringt noch mehr Unmut auf. Über das verlängerte Wochenende hatte ich beschlossen, dass schöne Wetter zu genießen, weil es schade darum gewesen wäre, diesen Anflug von Sommer nicht auszukosten, und dafür wollte ich dieses Wochenende einiges weiter bringen. Nur aus dem wird nun nichts und langsam, aber sicher sehne ich mich nach eine Wohnung, die nicht von Kisten dominiert wird.

Tausche Melancholie gegen Melancholie

Ich steige auf mein Fahrrad und fahre los, Richtung Donauinsel und dann immer Richtung Norden, bis es nicht mehr weiter geht. Dann bleibe ich kurz stehen, genieße den Ausblick und lasse mir den Wind, der nach Sommer duftet, um die Nase wehen, ehe ich wieder auf das Rad steige und ein Stücken zurück radle, um mir ein schönes Plätzchen für mich allein zu suchen.
Es ist so ein Tag, an dem ich für mich sein möchte. Es gibt Tage, an denen man Menschen um sich haben möchte und es gibt wiederum Tage, an denen man sich mit seiner Melancholie alleine sonnen möchte.
Jedoch ist es nicht diese beklemmende, paralysierende Melancholie, die mich in den letzten Monaten oft verfolgt hat, die heute mit mir am Donauufer sitzt und die Füße ins kalte Wasser streckt, es ist diese Gedanken schweifen lassende und kreative, die zwar schwermütig, aber lebensbejahend ist. Diese Melancholie begleitet mich schon sehr lange durch mein Leben, sie ist ein Teil von mir. Sie kommt und geht. Ich weiß nicht wann und woher sie kommt und wann und wohin sie geht. Aber ich habe gelernt mit ihr zu leben. Gelernt, dass sie durchaus ein kreatives Potential hat, man darf sich nur nicht auf einer Welle voller Selbstmitleid und Weltverdruss verlieren und man soll erst gar nicht versuchen, sie zu bekämpfen. Ich habe sie zu akzeptieren und schätzen gelernt.
Die Melancholie der letzten Monate war wie bereits gesagt anders. Ihr konnte ich nichts Positives abgewinnen, hat sie mir doch jederlei Kraft genommen, mir versucht die Hoffnung und den Glauben an das Leben zu nehmen, doch sie hat sich zusammen mit dem Winter verzogen, ist in Graz geblieben. Sie wollte nicht mit, in mein neues Leben.

On the road

Die letzten vier Wochen, die ich nun in Wien bin, musste ich auf meinen geliebten Roller verzichten. Um meine mangelnde Mobilität und Flexibilität zu bekämpfen, bin ich gestern zu meinen Eltern gefahren, wo mein Rollerchen die letzten Wochen auf Sommerfrische war.

Heute ging es dann nach Wien mit ihm. Nachdem Autobahnfahren nicht nur langweilig, sondern mit 125cc auch mühselig ist, habe ich mich für eine Route über die Bundesstraße entschieden und, damit es nicht zu konventionell ist und ich auf der Wechselbundestraße nicht verhungere, weil es zu steil hinaufgeht, bin ich den Umweg über das Burgenland gefahren. Wobei es von der Distanz her mit 240 Kilometer nur geringfügig weiter ist als die Strecke über die Autobahn, aber dafür dauert sie deutlich länger. So fährt man bei meiner gewählten Strecke  laut Google Maps 4.5 und sonst 2.25 Stunden.
Aber wenn Zeit keine Rolle spielt, kann ich die Strecke empfehlen, denn die Landschaft gibt schon so einiges her, vor allem die knallgelben Rapsfelder momentan.

Das Wetter war heute wirklich traumhaft. Sonne. Sonne. Und Sonne. :) Die letzten fünfzig Kilometer waren etwas mühsam, weil der sturmartige Wind nicht ohne war, versetzt es einen doch ganz schön…
Aber wir sind gut in Wien angekommen und haben die 4.5 Stunden trotz zwei Tankpausen unterboten. ;) Und jetzt freuen wir uns schon darauf, die Stadt unsicher zu machen. ;)

Menschen kommen und gehen

[…] dann ist sie/er es nicht wert.
[…] dann hat sie/er dich nicht verdient.

Wer kennt sie nicht, diese Sätze, die so enden und die einen aufmuntern sollen. Aber tun sie das wirklich? Jein, wie ich finde.

Sie trösten, weil es gut tut, dass jemand Anteil an unserer Gefühlslage nimmt. Nur muntert einen da weniger der Inhalt dieser Worte auf, sondern viel mehr das Gefühl, nicht alleine zu sein. Aber gerade das ist es doch, was uns gut tut. Nicht alleine zu sein. Einen Platz im Leben zu haben ist viel bedeutender als Worte es je sein können. Worte wirken im Vergleich zu einem Zugehörigkeitsgefühl richtig blass.

Der Inhalt selbst ist meiner Meinung nach eher Schwachsinn. Was soll daran tröstlich sein, wenn man in einen Menschen Vertrauen, Zeit, Hoffnung, etc. investiert hat und dann wird man enttäuscht oder Erwartungen erfüllen sich nicht. Es ist nicht aufbauend, dann gesagt zu bekommen, man habe auf das falsche Pferd gesetzt, der lahme Gaul wäre die Mühe nicht wert gewesen. Immerhin hatte es seine Gründe, warum man versucht hat, dass das Vieh als erster über die Ziellinie galoppiert.

Sicher stimmt es, dass Menschen, die einen nicht gut behandelt, es nicht wert sind, dass man ihnen nachtrauert. Das weiß jeder von uns. Sich das einzugestehen und vor allem auch zu akzeptieren ist oft schwierig. Vor allem fragt man sich schon von Zeit zu Zeit, wieso man sich denn immer wieder die falschen Leute aussucht und die Selbstzweifel bringen die Frage, ob es nicht doch an einem selbst, und nicht an den anderen liegt, auf.
Klar liegt es auch an einem selber, aber die richtigen Menschen akzeptieren einen so wie man ist und mögen einen für das, was man ist. Insofern ist die Schuldfrage irrelevant. Sie ist nur ein Versuch die Dinge zu verstehen. Das Bestreben eine rationale Begründung zu finden, wo es keine gibt.

Man muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass manche Menschen kein Teil in unserem Leben sein wollen oder dass sie sich nach einiger Zeit von uns lösen und gehen. Auch wenn wir oft nicht verstehen, warum. Menschen kommen und gehen, die richtigen Menschen – wahre Freunde – bleiben.

Um zwölf Stunden verschoben

In der Dunkelheit scheint es so, als würde sich die Welt langsamer drehen. Man hat das Gefühl, mit der Natur und den Menschen schlummert auch das Universum friedlich vor sich dahin.
Die Hektik und das Chaos vom Tag gehen mit der Sonne unter; der Mond geht auf und mit ihm eine besondere Stimmung.

Eine Woche Nachtschicht ist nun vorbei und die zweite und somit auch letzte steht bevor.
Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man zur Arbeit fährt, wenn die anderen am Heimweg sind. Die einen sind am Weg zurück vom Büro, die anderen haben sich schon das eine oder andere Feierabendbierchen gegönnt. Die Leute sind geschafft vom Tag und in einem Art Ruhemodus.
Man selbst ist mitten drinnen. Eine Person unter vielen, aber man fühlt sich anders, weil man es ist, denn der eigene Tagesrhythmus ist um zwölf Stunden verschoben. Der Tag, der eigentlich die Nacht ist, liegt noch vor einem.

Mit der Zeit werden es immer weniger Menschen, die man sieht. Die Straßen werden leerer, die Laternen gehen an und die Lichtkegel durchbrechen die Dämmerung, die langsam der Dunkelheit weicht.
Man hat das Gefühl, als würde man über die schlafende Welt wachen, denn man ist munter, während die meisten schlafen. Es ist ein seltsames Gefühl, irgendwie ein besonderes, aber ein einsames.

Man lebt um einen halben Tag versetzt. Für zwei Wochen ist das für mich in Ordnung, aber bereits jetzt merke ich, dass es mir deutlich zusetzt. Wenig Tageslicht, keine Möglichkeit sich nach Feierabend mit Freunden zu treffen. Irgendwie soziale Isolation.
An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich großen Respekt vor den Leuten, die diesen Rhythmus dauerhaft aushalten, die dafür sorgen, dass auch nachts alles funktioniert, das funktionieren muss, habe.

Einzigartig