[…] dann ist sie/er es nicht wert.
[…] dann hat sie/er dich nicht verdient.
Wer kennt sie nicht, diese Sätze, die so enden und die einen aufmuntern sollen. Aber tun sie das wirklich? Jein, wie ich finde.
Sie trösten, weil es gut tut, dass jemand Anteil an unserer Gefühlslage nimmt. Nur muntert einen da weniger der Inhalt dieser Worte auf, sondern viel mehr das Gefühl, nicht alleine zu sein. Aber gerade das ist es doch, was uns gut tut. Nicht alleine zu sein. Einen Platz im Leben zu haben ist viel bedeutender als Worte es je sein können. Worte wirken im Vergleich zu einem Zugehörigkeitsgefühl richtig blass.
Der Inhalt selbst ist meiner Meinung nach eher Schwachsinn. Was soll daran tröstlich sein, wenn man in einen Menschen Vertrauen, Zeit, Hoffnung, etc. investiert hat und dann wird man enttäuscht oder Erwartungen erfüllen sich nicht. Es ist nicht aufbauend, dann gesagt zu bekommen, man habe auf das falsche Pferd gesetzt, der lahme Gaul wäre die Mühe nicht wert gewesen. Immerhin hatte es seine Gründe, warum man versucht hat, dass das Vieh als erster über die Ziellinie galoppiert.
Sicher stimmt es, dass Menschen, die einen nicht gut behandelt, es nicht wert sind, dass man ihnen nachtrauert. Das weiß jeder von uns. Sich das einzugestehen und vor allem auch zu akzeptieren ist oft schwierig. Vor allem fragt man sich schon von Zeit zu Zeit, wieso man sich denn immer wieder die falschen Leute aussucht und die Selbstzweifel bringen die Frage, ob es nicht doch an einem selbst, und nicht an den anderen liegt, auf.
Klar liegt es auch an einem selber, aber die richtigen Menschen akzeptieren einen so wie man ist und mögen einen für das, was man ist. Insofern ist die Schuldfrage irrelevant. Sie ist nur ein Versuch die Dinge zu verstehen. Das Bestreben eine rationale Begründung zu finden, wo es keine gibt.
Man muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass manche Menschen kein Teil in unserem Leben sein wollen oder dass sie sich nach einiger Zeit von uns lösen und gehen. Auch wenn wir oft nicht verstehen, warum. Menschen kommen und gehen, die richtigen Menschen – wahre Freunde – bleiben.
Veröffentlicht in Gedankenstreifzüge
Schlagwörter: Enttäuschung, Freunde, Zugehörigkeit